Samstags än Flätsch ab – ein Hoch auf die Arbeit – Teachers‘ Day on Saturday

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Lampenschirm

Heute Morgen ein Hoch auf die Arbeit: Wir haben Schulinterne Weiterbildung und arbeiten zum neuen Lehrplan. Konfrontation, Erarbeitung, Vertiefung und Transfer. Eigentlich bin ich ja Lehrerin, die Erziehungsaufgaben zu Anstand und Umgang mit Mitmenschen würde ich sehr gerne den Eltern überlassen. Es passt, dass an der Tasse ein Flätsch ab ist.

Gestern im Unterricht, der seit dem Lehrplan 21 WAH, Wirtschaft-Arbeit-Haushalt, heisst, war es nicht schön. Das hat aber nichts mit dem Lehrplan zu tun, sondern daran, dass es Jugendliche gibt, die in gewissen Situationen jeden Anstand und Respekt vor den Mitschülerinnen und Erwachsenen verlieren. Ich habe mich sehr genervt, auch über die stummen Dulderinnen, die nichts sagen, wenn sich ihre männlichen Kollegen wie Arschlöcher benehmen und eine Sprache wählen, die inakzeptabel ist.

Ich habe mich aber schnell wieder erholt, (super gut geschlafen), denn ich habe einen Aktionsplan: Nächsten Freitag wird nicht gekocht. Wir werden über Verhalten, grusige Witze, das Arbeitsfeld Schulküche reden und einen Verhaltenskodex aufschreiben. Wenn den alle unterschrieben haben, schauen wir mal, was Kühl- und Vorratsschrank hergeben, damit es vielleicht doch noch etwas Kleines zu essen gibt.

Es gibt mir auch zu denken, wenn „anständige“ Kinder unsere Guetzliback-Aktion für den Adventsmarkt (der Erlös kommt einem guten Zweck zu Gute) mit dem Satz quittieren: „Warum müssen wir für andere backen? Immer müssen wir für andere arbeiten, für uns gibt es nichts.“ Ja, auch darüber müssen wir reden!

Die Jugendlichen haben schöne Mailänderli gebacken, was ich an dieser Stell doch noch erwähnen möchte. Und wenn nach dem ganzen Tohuwabohu am Mittagstisch bei Kartoffeln und Käse nicht Sätze aus der ganz untersten Schublade gefallen wären, hätten sie auch ein Probiererli bekommen.

Teaching isn’t just transmitting of information and knowledge with a pedagogical background. It’s education and includes a lot of showing how we behave in a group of human beings and society. Let’s say straight: Yesterday was an awful day! There are actors and silent spectators when someone loses control and doesn’t show any respect. 

By the way, I can not bake christmas cookies when the most disgusting words and jokes are given around and class mates are insulted. I cannot stand that there is nobody (except me) that says stopp to such inappropriate behavior. 

Anyway, I am quite confident, that we will be back to cooking in class after a serious discussion and a declaration. On a poster, with the signatures of all the members of the class. 

Lamp shade: Doily to over an odd glass shade.

Der Lampenschirm besteht aus einem Kunststrickdeckeli über einem (schiefen) Glasschirm.

 

 

Mehr Samstagsgeschichten gibt es bei Andrea.

 

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  1. Guten Morgen , ach da sind ja keine schöne Erlebnisse. Seufz. Aber leider habe ich das auch schon gehört und das von Erwachsenen.
    Ich hoffe Du kannst Dich gut erholen und genießt das Wochenende. Ganz lieben Gruß aus dem ekligen und nassen Berlin. Sylvia

  2. Oh ja, es ist schon verwunderlich, was heutzutage so gesagt wird. Auch ich staune imerr wieder mal über meine Auszubildenen und so manches Mal bin ich auch entsetzt!
    Trotdem ein schönes Wochenendde für dich!

    Marion

  3. Liebe Regula, welch schöne Metapher für das Erlebte, der Fläätsch. In meinem Dialekt, dem Nordbairischen, heißt das „Blätzn“. Dazu gibt es auch das Adjektiv „oblätzt“. Die Reaktion der Kinder – warum soll ich was abgeben? – habe ich auch schon erlebt im Verwandtenkreis. Ich wollte da auch erzieherisch wirken. Da haben mich die lieben Kleinen auch schockiert mit ihrer Reaktion. Interessant wäre, warum das so ist. Hast du da als Lehrerin eine Erklärung?

  4. Liebe Regula, wie gleich sind doch manche Erlebnisse und Gedanken bei der Arbeit… Ich hoffe, du kriegst sie noch dran, die Sprachtäter. Tja, mangelndes Einfühlungsvermögen – „America first“ oder auch „mein Kind zuerst“ – ganz oft und fast immer – das färbt ab, meinst du nicht? Trotzdem nicht nachlassen, ist meine Devise. Deinen Plan finde ich hervorragend. Ach, und bei uns heißt das an der Tasse einfach Schlag – passt auch, oder? Habt ein wundervoll kuscheliges Wochenende, wenn ich hier so raussehe, geht auch nix anderes … 😉 LG aus dem Brandenburgischen, Sabine.

    • Hallo Sabine. Letzte Woche hat ein Junge in der Stunde erzählt (Thema Franz. Revolution, les droits de l’homme), er habe da letztens im Briefkasten eine Werbung bekommen, da erzähle ein Junge, wenn er ganz fest Hunger habe, drehe er aus Dreck Bällchen und esse die, obwohl er davon Bauchweh kriege. Er sagte: „Dass das in der heutigen Zeit noch passiert, ist eine Schande.“ Auch das ist die heutige Jungend. Ich habe noch Hoffung! 🙂

  5. Nur zu gut kenn ich deine Gedanken: DAS ist jetzt aber echt nicht meine Aufgabe als Lehrerin, DAS sollen bitte die Eltern klären.
    Und doch dürfen/sollen/müssen wir uns als Lehrer um mehr als unseren „Stoff“ kümmern. Wir unterrichten ja Kinder und nicht Stoff. Der Staat, deiner wie meiner, bezahlt uns dafür aus den Kindern mündige Staatsbürger zu machen. Und deshalb dürfen/sollen/müssen wir auch erziehen und nicht nur unterrichten.

  6. Auch an der Schule meines Jüngsten (6. Klasse) herrscht ein sehr rüder Umgangston. Da wird sich auf dem Flur mit „Na, du Arsch!“ begrüßt und die meinen das auch noch nett! Durch viele zusätzliche Termine bei einem Sozialpädagogen haben mein Sohnemann (und dann auch ich) gelernt, dass diese Sprache das „moderne Deutsch“ ist. „Fick dich!“ – bedeutet einfach nur „Lass mich!“. Eine Sprache, die UNS sehr zuwider ist und auch im eigenen Zuhause niemals gesprochen werden würde. Wahrscheinlich ist es bei „Deinen“ Jugendlichen ähnlich, zumindest hoffe ich das! Dennoch MUSS man mit ihnen darüber sprechen und sie ggf. in die Schranken weisen. Du machst das super!!! Herzlichst, Nicole

  7. Hallo Du Liebe,
    oh ich kann so mit Dir mitfühlen. Seit die Tochter den BFD macht bekommen wir hier auch Einblicke wie schwer die Arbeit mit Kinder ung Jugendlichen sein kann und das ein normaler Umgangston leider nicht überall Alltag ist. Was sind dagegen ein paar schmutzige Socken die im Zimmer rumliegen? Psst, das sage ich aber nur Dir, dem Jungvolk im Hause werde ich immer mahnend erklären, dass die in den Wäschekorb gehören, Vielleicht klappt das irgendwann mal von alleine. *g*
    LG zu Dir
    Manu

  8. Ich kann es auch nicht verstehen, warum die Lehrer die Erzieher für den Anstand sein sollen. Sind die Eltern dermaßen überfordert? Ich hoffe allerdings, dass meine Monster den Anstand gelernt haben. Und zwar zu Hause! Deine Wege, den Jugendlichen den richtigen Weg zu zeigen, finde ich außerordentlich toll.
    Liebe Grüße und genieße noch deinen freien Sonntag
    Andrea

  9. Hui, das klingt wirklich, als wären da einiges Sätze gefallen, bei denen man die Ohren anlegen muss. Ich finde es erstaunlich, dass so viele Menschen, die in einer wirklich privilegierten Situation sind, sich so vernachlässigt und ausgebeutet fühlen. Woher kommt sowas?

    Schön, dass dir guter Schlaf helfen kann, solche Situationen abzuschütteln!

    Liebe Grüße
    Sabrina

  10. Hi! First, as a teacher I feel what you are going through. You’re right — it hurts your heart, but children are just learning about the world and will often make mistakes. Their hearts and good and with your example and encouragement will develop empathy and kindness. Next, I am so grateful for your English passages. I have really been enjoying your blog — especially the crafts, photos, and peek into your world (quite different from mine). Hugs, Angelle

  11. Hatte Jahre mit der Creme de la Creme von Jungs hier zu tun. Gewalttätige Teenies … grosses Repertoire am Uebelsten (Sprache und Handeln). Die Eltern … oft auf gleichem Niveau. ….
    Es ist nicht nur Sache der Lehrer, die Kinder auf ein akzeptables Niveau zu bringen !!! Auch Eltern stehen in ihrer Pflicht !!!!!! Und das sollte auch mal wieder gesagt werden (duerfen) !!!

    Viel Kraft fuer Dich !!!! Und: ich finde die Idee toll mit der „Sonderstunde“ !!!!
    LG Gaby

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