Samstags 20/35 – Der Sonnenkönig – Childrens‘ Books

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Aus: Der Sonnenkönig von Werner Holzwarth und Günther Jakos

Dieses Buch habe ich gekauft, weil mir die Bilder so gut gefallen haben. Dass auch die Geschichte eine wunderbarste ist, fiel mir erst später auf. Ich möchte sie euch nicht vorenthalten.

Die dicke Berta hatte offensichtilich im Erdkundeunterricht nicht gut aufgepasst, denn jedesmal, so erkannte sie, wenn Konrat zu krähen begann, ging die Sonne auf. Also flüsterte sie ihrer Freundin zu: „Er tut es schon wieder.“

Was er denn schon wieder mache, fragte Henrietta zurück.

„Na, er lässt die Sonne aufgehen. Jedesmal, wenn er kräht, geht sie Sonne auf.“ Sie sei ja schon ein blindes Huhn, wenn ihr das noch nie aufgefallen sei.

Nein, blind wollte Hentrietta nicht sein! Und auch alle anderen Hühner in Konrads Schar nicht. Und sie sahen ihren Hahn plötzlich in ganz anderem Licht.

Bald stellte sich zur Bewunderung die Angst dazu, was wohl passieren würde, wenn Konrad eines Tages nicht krähen und die Sonne nicht aufgehen würde. Nicht auszudenken war das, so dass das ganze Hühnervolk alles tat, um Hahn Konrad bei Laune und Kräften zu halten. Sie fielen jeden Abend totmüde ins Bett und wurden immer schwächer und schwächer, ihre Angst aber wurde grösser und grösser, während Konrad immer fetter und selbstgefälliger wurde …

Information ist Macht! Falls wir im entscheidenden Moment nicht über die richtigen Informationen verfügen, ziehen wir die falschen Schlüsse und entscheiden falsch. Selbständiges Denken kann also nur funktionieren, wenn wir möglichst viele, verschiedene, ehrliche, unabhängige und ungefilterte Informationen bekommen, die auf Fakten beruhen. Dafür sind die Medien zuständig, denn sie sollen nicht nur wahrheitsgetreu, sondern auch alles, was die aufgeklärten Bürgerinnen und Bürger wissen müssen, auf verschiedene Weise verbreiten.

Eine Demokratie ist auf selbständig denkende Menschen angewiesen, die umfassend informiert sind, damit sie die richtigen Schlüsse ziehen können. In einer funktionierenden Demokratie ist es selbstverständlich, dass nicht alle Menschen zu den gleichen Schlüssen kommen und die gleiche Meinung formulieren. Deshalb gibt es im besten Fall verschiedene Parteien, die diese verschiedenen Meinungen representieren. Die einen Parteien legen ihren Fokus auf gesellschaftliche Themen, andere fokussieren die Wirtschaft, dritte haben eine nachhaltige, resourcenschonende Entwicklung. Während die einen dem Staat mehr Kompetenzen geben wollen, gibt es andere, die die Freiheit des einzlenen höher werten. Menschen diskutieren über die verschiedenen Standpunkte, bis sie einen Konsens finden oder auch nicht. Manchmal wird über eine Sache abgestimmt und die Mehrheit entscheidet. Die Legislative wird aus einer politischen Debatte heraus Gesetze erlassen, die Judikative wird sie auf geltendes Recht hin überprüfen und überprüft auch, ob sie rechtmässig durchgesetzt werden.

Schon früher, aber vor allem im Zuge von COVID-19, wurde der Informations- und Meinungskorridor sehr eingeengt: Immer mehr Informationen werden zensuriert und viele Meinungen, respektive die Menschen, die sie – auch als Fachkräfte – äussern, werden an den öffentlichen Pranger gestellt, statt dass darüber eine ernsthafte Diskussion stattfindet. Damit verschwindet der demokratisch-philosophische Debattenraum.

Und das ist eine Katastrophe.

Die Folgen sind Spaltung und zunehmende Spannungen.

Zurück zur Geschichte des Sonnenkönigs. Was wäre passiert, wenn sich ein Huhn an den Erdkundeunterricht zurückerinnert hätte? Wenn eine Henne als ungerecht empfunden hätte, dass Hahn Konrad seine Frauen ausbeutet? Was, wenn einer der Fuchs zugeraunt hätte, dass die Sonne aufgeht, weil sich die Erde um sich selber dreht? Wenn eine gemerkt hätte, dass da etwsa nicht stimmen kann?

Nein, den Ausgang der Geschichte verrate ich euch nicht, und wie es für unsere Demokratie ausgehen wird, weiss ich nicht. Aber ich weiss, dass wenn wir aufhören, miteinander zu reden, andere Meinungen zuzulassen, wenn wir anfangen, Menschen mit anderer Meinung auszulachen, zu beleidigen, ist das das Ende der Demokratie.

Es ist mir nicht egal zu lesen, ich bin hier, ich bin mit dir durch. Aber mein Aufruf war und wird immer sein:

Redet miteinander,

hört einander zu,

seid respektvoll,

lacht niemanden aus, beleidigt niemanden.

Diskutiert auf Grund von Fakten und Argumenten.

Überwindet die Angst.

Childrens‘ books are so true, it can hurt. This is the story of a cock that is admired by all his hens for making the sun rise. The hens do everything to please their cock. They get weaker and weaker and never ever question what they are asked to do. Obviously, none of the hens remembers the time before when they were all together in peace and were not asked to thing that are not henlike just to please the cock.

The poor hens had nobody who would tell them about the revolution of earth that makes „the sun rise and set“. They did what they thought would be the right thing to do. They were scared what would happen if they changed what they had been doing.

Let’s not be hens. Let’s have a close look at things ourselves, come to our own conclusions, let’s not read the same papers over and over again. And don’t bash the ones who tell you that there is another perspecive, that there is more to know about.

Listen to them,

argue with them based on evidence not fear.

Show respect.

 

Verlinkt mit Samstagsplausch bei Andrea Karminrot.

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  1. Sehr gute Parabel !!!
    Das geschriebene Wort hat viele Nachteile -alles kann immer falsch verstanden und falsch ausgelegt werde.
    Das Ringen um Wahrhaftigkeit sollte nicht aufhören und in Sprachlosigkeit münden auch wenn ich oft sprachlos bin, aus oben genannten Gründen.
    Herzlichst Angela

    • Ich bin nur sprachlos, wenn ich merke, dass ich ausgelacht, beschimpft und bedroht werde. Zuhören, damit wir auch verstehen, warum jemand eine andere Meinung hat als man selber.

      Liebe Grüsse zu dir

      Regula

  2. Hallo Regula,
    ich habe schon auf dich gewartet. :-))
    Du bringst es auf den Punkt und die „Fabel“ ist gut zu lesen.
    Ich hätte auch eine

    Zwei Wölfe und ein Zicklein sitzen an einem Tisch und beraten über das Abendessen.
    Was meinst du, wer Angst haben muß und gefressen wird.
    Demokratie, ja schön wäre es und am schlimmsten ist es, wenn Leute schreiben, dass sie sich nie eingeengt gefühlt hätten.
    Liebe Grüße Eva

    • Hoi Eva

      wir waren eben gestern Morgen noch in der Weiterbildung und anschliessend an der friedlichen Demo in Zürich.

      Habe heute unter anderem bei Himmelblau gelesen (danke für deinen Tipp). Sehr schön, auch dein Kommentar. Ich fühl mich verbunden.

      Das Bild mit den Schafen, die nicht mal einen Schäfer brauchen, weil sie ganz alleine zum Ende finden, ist mir auch in den Sinn gekommen.

      Dann habe ich geträumt, dass ich im Fluss war, langsam dahin getrieben bin, neben mir Personen im Wasser, bis ich merkte, dass die ja schon länger den Kopf unter Wasser haben und ich sie wohl ein bisschen nach oben bringen müsste, damit sie wieder Luft kriegen.

      Einer ist dann aber leider so weit nach unten abgetaucht, dass ich zwar noch seine Strickjacke in den Händen spürte, aber es war mir unmöglich, ihn wieder nach oben zu bringen.

      Na ja, kein Wunder bin ich heute so müüüüüüüde.

      Liebe Grüsse zu dir

      Regula

  3. Liebe Regula,
    vielen lieben Dank für Deinen Aufruf zum Selbst-Denken. Ich war sowohl am 01. August als auch am 29. August bei der Demo in Berlin. Ich bin glücklich über die vielen friedlichen Demonstranten aus allen Teilen Deutschlands und Europas. Gemeinsam können wir die Welt verändern. Und ja, wir sind viele Menschen!

    • Deine Worte finden mich grad in einer Krise, die hoffenlich bald vergeht. Danke, danke!

      Ich bin so müde … aber vermutlich liegt es auch daran, dass wir strenge Weiterbildung hatten und ich danach noch nach Zürich an die ebenfalls friedliche Demo ging (ich mag gar nicht lesen, was dann wieder in der Zeitung steht).

      Eine dieser kurden Feststellungen, die mir immer wieder zeigen, dass da was super faul ist: Wir hatten auswärts Weiterbildung. Ich diskutierte mit einer Frau aus der Behörde über Corona-Massnahmen. Sie lachte mich aus, sie weiss ja alles, sie arbeitet im Gesundheitswesen, sie hat die Bilder gesehen: Corona ist gefährlich. Nur, wir Lehrpersonen waren immer zu zweit in einem Zimmer mit 1.40 m breiten Ehebett.
      ????

      Liebe Grüsse an dich

      Regula

    • Danke Ulrike,
      ich habe die Demo leider nur im Stream verfolgen können und ich hoffe, das nächste Mal irgendwie – falls das mal wieder in Berlin ist – dabeizusein. Nur habe ich keine Möglichkeit irgendwo zu übernachten.
      Liebe Grüße Eva

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