Bis der Tag erwacht – Samstags 44 * 22 – Until Dawn

Standard

So lange dauerte es noch nie, bis ich die Zeitumstellung inkorporiert hatte. Jeden Morgen erwache ich vor vier Uhr, was bis letzte Woche fünf Uhr war. Egal, wie spät ich ins Bett gehe. Meine innere Uhr ist stehen geblieben und verweigert den Sprung. Es passt zu meinem Gemütszustand. Obwohl das Leben weitergeht, wie wir zu sagen pflegen, ist meine Uhr irgendwie stehen geblieben. Ich staune jeden Tag, lerne jeden Tag neu, dass sich die Erde dreht. Der Sommer ist vorbei, die Blätter fallen von den Bäumen, es ist dunkel am Morgen, wenn ich mit der Arbeit beginne. Ich weiss es ja, und doch vergesse ich es.

Halb fünf Uhr. Ich warte, bis der Tag anbricht. Hei, ist das dunkel draussen. Ich zünde Licht an, entfache ein Feuer, mache mir Tee und geniesse die Ruhe. Das ist das Schöne am Frühaufstehen. Kein Geräusch dringt an mein Ohr, und es wird eineinhalb Stunden dauern, bis ich die Kirchenglocken von Heiligkreuz hören kann. Wenn überhaupt, denn der Nebel entrückt nicht nur Formen, sondern auch Töne. Dieser Morgen passt gut zu meinem Gemütszustand. Ich fühle mich entrückt. Die Wirklichkeit da draussen, passt nicht zu meinem Innern. Um es auszuhalten, muss ich mich distanzieren, ein bisschen wenigstens, so dass es nicht auffällt.

I’ve woken up around four each morning. My inner clock hasn’t made the change yet. And no matter what time I go to bed, I am awake early. Too early for a Saturday anyway. So I get up, turn on the light, make a fire in the stove and heat up a cup of tea. I enjoy the peace and quiet of the new day. This is the beauty of getting up early: no sounds. Especially today as there is fog that covers everything, the visible and audible proof of humans. It suits me, matches my condition. I’ve placed myself outside the circle of others. Just slightly, so nobody notices. At least that’s what I think, because nobody talks about it.

I’m waiting for dawn, because I want to go to the forest, I want to rake leaves, I want the day to start. I want to go on with life. And I will some day. Then the clock will run again. Days, weeks and moths will pass and I won’t forget that the leaves have turned their colours, the months have passed, the days have become short, the nights long.

Verlinkt mit Andrea Karminrot in Berlin.

»

  1. Ich habe nie Probleme mit der Zeitumstellung gehabt, vielleicht weil wir als Familie, mit meinem Bruder in UK lebend, mit dem Zeitwechsel lebten – nach England gefahren eine Stunde zurück, bei der Heimkehr eine Stunde vor. Eine (vermeintlich) gewonnene Stunde hin oder zurück galt als bonus hour.
    In diesem ersten Jahr in Pension, ungetaktet nach einem Stundenplan der Schule, justiert sich meine innere Uhr schlechter mit der an der Wand. Das fand ich schon interessant.
    Viele Grüße,
    Karin

    • Aktuell schlafe ich sowieso eher schlecht. Vielleicht liegts auch daran. Ich stelle mir das Leben ohne Uhr freier vor. Einen guten Tag! LG Regula

  2. Grüsze aus dem morgenstillen Harz…ja, ich bin seither auch schon vor 4:00 wach und krieg das bisher nicht hin mit Stunde länger schlafen. Empfinde es aber auch wertungsfrei und eigentlich schön, wenn der Tag lang ist –
    Um die Nebel könnt ich Dich beneiden! Die krieg ich hier so selten. Ansonsten hab ich durch Gehunfähigkeit seit einem Sturz im September den realen Kontakt nach drauszen auch verloren….virtuell ist nicht dasselbe, obwohl ich natürlich da vieles aufnehme. Ist ein innerer Schutzmechnanismus, dasz mich das alles nur eher am Rande tangiert, sonst wäre das Ohnmachtsgefühl überwältigend –
    Einen scönen Sonntag
    Mascha

    • PS: früher hab ich den 31.10. immer ganz bewuszt als Beginn der Dunkelzeit gefeiert. Eben als die Zeit, wo ich mehr von innen heraus lebe und dann nach und nach die in der Seele konservierten Eindrücke herauslasse und künstlerisch umsetze. Wenn drauszen nicht mehr so viel ablenkt… beginnt die Zeit der schöpferischen Prozesse.

    • Danke für deine Zeilen. Kennst du das Buch „Die Wolfsfrau?“ Ich habe es vor vielen Jahren gelesen und erinnere mich an eine Aussage, dass sich ein verletzter Wolf in die Höhle zurückzieht und wartet, bis die Zeit reif für nächste Schritte und Entscheidungen ist. Dass es sinnvoll ist, Entscheidungen aus der Stärke heraus zu treffen.

      Also, warten wir, bis die Zeit reif ist, erholt und gestärkt aus dem Rückzugsort herauszutreten.

      Ich wünsche dir alles Gute

      Regula

  3. Hej Regula,
    solche frühen Tagesanfänge mag ich auch sehr- wenn alles noch still ist. Ich habe gerne meine Ruhe, mag keinen Trubel. Die Zeitumstellung war mies wie immer, ich habe ja so gehofft, das sie endlich mal abgeschafft wird….ich brauche immer Ewigkeiten, bis ich wieder in der Spur laufe. Ein schönes Bild mit der Stickarbeit…Hab ein entspanntes Wochenende und ganz LG aus Dänemark, Ulrike :0)

  4. Nun, wenn ich so manches lese, dann denke ich immer, dass ich und meine Lieben und auch Kollegen doch recht unkompliziert sind.
    Die haben mit der Zeitumstellung absolut keine Probleme und ich sowieso nicht.
    Ich kann mich auch nicht drüber aufregen, denn es ist wie es ist.
    Ach, dass es jetzt früh dunkel wird, es ist nun mal so. Man kann es nicht ändern.
    Ich stehe jeden Morgen auf, gehe ins Bett und bin den ganzen Tag so beschäftigt, dass ich mir absolut keine Gedanken machen kann, ob ich nun in Traurigkeit versinken soll, oder ob meine Uhr stehengeblieben ist.
    Eigentlich sollte der Tag mehr Stunden haben.

    Aber es kommt gut, wenn man das schreibt. Ist man trotz des Wetters und der Zeitumstellung lustig und fidel kann doch was nicht mit einem stimmen.
    Für mich gilt, am 21 . Dez. geht es wieder aufwärts.
    Geht raus,bewegt Euch an der frischen Luft, auch, wenn es regnet, das ist gut und stärkt auch das Abwehrsystem.
    Vielleicht sollte ich mal ein Buch schreiben, wie man Energie lädt. ..

    Ich habe manchmal den Eindruck, dass manche Leute immer diese Selbstfindungsbücher lesen und deshalb in Traurigkeit versinken.
    Tristesse und Winterblues, ich kenne es nicht, habs noch nie gekannt.
    Ehrlich, wenn meine Parteigenossen in so manchen Blog gucken uind lesen, dann wundern sie sich und sagen: „Was haben die für Sorgen, typisch Frau.
    Bei mir ist es übrigens den ganzen Tag ruhig, hätte es gerne anders. Manchmal denke ich , ich bin im Sanatoirum.
    Zwecks Zeitumstellung, man kann sich auch was einreden.,
    Vielleicht denkt man mal an die Menschen, die es wirklich schwer haben.
    Liebe Grüße Eva

    • Ein Glück, dass ich pragmatisch bin. Es ist, wie es ist. Wertfrei. Heute ist ein trüber Tag, ein Novembertag, wie er im Buch steht. Ich stelle fest, jammere nicht. Drinnen ist es schön. Ein Glück, dass ich das sehe. Nein, ich werde nicht in Traurigkeit versinken, das wäre zu schade. Aber, es ist mir auch schon besser gegangen …

      Zeitumstellung. Das ist ja nichts so ein Stündli, ich war ja auch in Irland in den Ferien, ist mir nicht mal aufgefallen, dass die Uhr anders tickt. Ich stell dieses Jahr nur fest, dass ich nach einer Woche noch, wie eine Uhr um 20 vor fünf, äh vier erwache. Es ist egal, so hat der Morgen eine Stunde mehr, bevor der Trubel in der Schule los geht.

      Die Uhrzeit ist eh was Künstliches, erfunden, damit der Zug pünktlich abfährt. Wenn die Deutsche Bahn noch lange so unzuverlässig weitermacht, schaffen wir gar die Uhrzeit ab. 😉 Das wäre nicht das Schlimmste.

      Ein schönes Wochenende dir

      Regula

  5. Mein Inneres passt im Moment auch nicht zur Wirklichkeit da draussen. Meine Welt, die ich sooo viele Jahre geliebt habe, geht irgendwie verloren…….Auch ich habe angefangen micht zu „entrücken“, langsam und leise. Ab und zu ein Besuch von oder bei lieben Freunden, dann ist alles wieder gut, für ein paar Stunden. Tut gut!!!
    Ich wünsche dir ein gutes Wochenende!! Liebe Grüsse aus dem Murtebiet, Katharina🥰

    Übrigens, meinem Mann geht es auch wie dir, er hat die Zeitumstellung auch noch nicht verkraftet, oder nur teilweise!

    • Mit der Zeitumstellung habe ich noch nie so lange gebraucht, aber es macht mir nichts. Die frühen Abende finde ich auch schön.

      Vielleicht merken halt nur die Feinfühligeren, dass sich Veränderungen anbahnen. Vielleicht braucht es starke Nerven und Mut zuzugeben, dass sich etwas verändert. Schlimm dran ist, wer Angst hat. Vielleicht klammern sich auch deshalb viele an den Ist-Zustand und finden alles wie immer und in Ordnung.

      Es wurde auch Zeit, dass sich was ändert. Die Ordnung ordnet sich neu, was nicht alle sehen oder spüren, aber erkennen müssen, wenn es passiert ist. Was oben ist, muss runter fallen, vor allem in Anbetracht des Hochmuts. Wie heisst noch mal das Sprichwort?

      Liebe Grüsse

      Regula

    • Danke für deine Antwort. Oh ja, hochmut kommt vor dem fall. du sagst es ganz richtig. Hoffentlich passiert endlich etwas. Angst habe ich keine, es ist einfach alles ungewohnt. Wir werden uns an vieles neu gewöhnen müssen. Ich hoffe, ich bin noch nicht zu alt dazu……..
      Häbs guet. ❤️ Katharina

    • Ja, da hast du sicher recht. Ich stelle das auch immer mal wieder fest. Dann sage ich mir, in meinem Alter darf ich das usw…… Ich bin übrigens schon fast 72jahre alt. 😎

  6. Ich kann gut verstehen, dass du dich ein wenig distanzieren möchtest. Auch vor den „klugen“ Worten „das Leben geht weiter“. Ja es geht weiter, aber das eigene bleibt manchmal einfach stehen, weil man gar nicht möchte, dass es so in der Form weitergeht. Ich wünsche dir, dass du dich mit der Zeit immer mehr in diesem neuen Leben zurecht findest. Eins habe ich aber mit dir gemeinsam: die innere Uhr, die nicht zur Zeitumstellung passt und dass ich den ruhigen Morgen als Frühaufsteherin immer sehr genieße. Allerdings nehme ich mir dann einen Kaffee am frühen Morgen. 😉
    Ein gutes Wochenende für dich und liebe Grüße von Catrin.

    • Ich habe angefangen, in grösseren Zeiträumen zu denken. Es muss ja nicht alles „gleich jetzt“ sein. Es kann auch „100 Jahre“ dauern, bis Neues entstanden ist. Dazwischen liegen ganz viele Momente, die es wahrzunehmen gilt. Ein frohes Wochenende wünsche ich dir. Regula

  7. Liebe Regula,
    das kann ich momentan auch so sagen „die Wirklichkeit da draußen, passt nicht zu meinem Innern“… aus den verschiedensten Gründen.
    Bei mir ist diese gewollte Distanz schon aufgefallen. Ich weiß nicht mal, ob es mich stört. Ich spüre so stark, dass es um mein Tun, meinen Weg, meine Freiheit geht. Der nächste Schritt will gegangen werden und so wird es kommen.
    „Wenn der Tag kommt, an dem das Risiko in der Knospe zu verharren, schmerzhafter wird, als das Risiko zu blühen, hast Du Dein Warum gefunden.“

    Ich bin Dir noch eine Antwort „schuldig“: Das Waffeleisen für die Feuerschale ist endlich meins und es ist toll! Es ist eine sehr entschleunigte bzw. noch entschleunigtere Art des Waffelbackens aber genau das lieb ich daran.

    Ich wünsche Dir einen wunderbaren Tag! Trotz oder gerade wegen allem. Dein handstiching ist wirklich schön. Die Farben leuchten.
    Liebe Grüße von Verena

    • Was für ein schönes Bild mit der Knospe. Mich stört die Distanz nicht. Es ist einfach so, passt auch zum Winter. Im Frühling sehen wir weiter. 🙂 Im Moment ist ja sowieso so vieles in Bewegung. Wer weiss, wohin wir reisen. Liebe Grüsse zu dir. Regula

  8. Das hast du schön beschrieben, liebe Regula.
    Wunderbar.
    Ich bin ja auch ein Frühaufsteher, egal zu welcher Zeit, und genieße gerne diese Stille am Morgen.
    Liebe Grüße von
    Heike

  9. Liebe Regula,
    du bist ja ein Dichter 😊
    Ja, wir sind am Anfang der dunklen Zeit und der langen Nächte, aber oft sieht man schon bevor alles ganz dunkel wird das Licht am anderen Ende…
    Ich bin heute morgen auch alleine und genieße die Ruhe.
    Hab ein gutes Wochenende
    Liebe Grüße
    Nanni

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s