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Vorfreude – Samstags 3 * 22 – Anticipation: Always have something to look forward to

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Könnte man der Gesellschaft Fieber messen, würde das Quecksilber hoch steigen und wir müssten besorgt sein. Nun, ich bin auch ohne dieses Hilfsmittel sicher, dass der allgemeine Zustand der Bevölkerung schlecht ist. Es geben sich zwar die meisten grosse Mühe, gute Mine zum bösen Spiel zu machen. Wir haben unsere Methoden, um vom grossen Ganzen abzulenken, ihm nicht zu viel Raum zu geben oder ganz auszublenden. Wir schreiben positive Gedanken in Glückstagebücher, wir richten das Wohnzimmer schön ein, zünden Kerzen an. Wir vergleichen uns mit Menschen, denen es noch schlechter geht. Einige halten die Hoffnung hoch, dass bald alles wieder so ist, wie wir es gewohnt sind, andere suchen neue Wege.

In der Schule habe ich eingesehen, dass Englisch Wörterlisten weniger wichtig sind als Strategien, wie ich mein Wohlbefinden steigern kann. Im besten Fall geht beides. Die Frage war: „What can you do to feel better?“

Man muss sich vor Augen führen, dass in dieser Klasse nicht die stärksten Lerner sind, dass diese Kinder schon so viel Enttäuschung auf ihrem Lernweg erleben mussten und es deshalb sehr einfach ist, sie zu unterrichten. Ich brauche nur gute Laune, viel Geduld, lustige Ideen und aufmunternde Worte. „What can I do to make you feel better?“

Das ist mein Leitprinzip in einer Zeit, in der Krüpelmacher das Sagen haben: Menschen, denen die Menschlichekti abhanden gekommen ist, Experten, Wissenschaftler, Taskforce-Mitglieder, Vorsteher von Ämtern, Politiker und Minister. Statt auf Grund undurchsichtiger Zahlen immer nur neue Regeln aufzustellen, müssten sich die Diener am Volk, um es mal lateinisch zu sagen, genau diese Frage stellen. „What can I do to make you feel better?“

In der Zwischenzeit finden wir halt selber Wege.

Mein Ratschlag für heute ist jedoch nicht auf dem Plakat, das ich locker doppelt so gross hätte machen können (together wie have many ideas): Always have somthing to look forward to. Und deshalb bin ich gestern Abend in die Federn gestiegen und habe mich schon auf heute Morgen gefreut, weil ich wusste, dass ich eine Scheibe Brot mit Butter und Tannzapfenkonfitüre, eigentlich eher Tannzapfenhonig, geniessen kann. Und Morgen Brunch mit Freunden und Freundinnen, von denen ich nicht wusste, dass ich sie hatte.

verlinkt mit Andreas Runde um den Kaffeetisch.