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Altkleider-Wahnsinn? – Der Entwicklung Afrikas schaden? – Qui bono?

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Heute also mal wieder sozialpolitisch. Auf einem Blog habe ich gelesen, dass man seine Altkleider nicht mehr mit gutem Gewissen in den Sammelcontainer werfen könne, weil sie nur Schaden anrichten. Die Schreiberin beruft sich auf diesen Artikel bei msn-Nachrichten „Mit Spenden Schlechtes tun“.

Mit dem Thema Alttextilien habe ich mich vor einer Weile beschäfftigt mit Ungerechtigkeit andauernd. Dazu möchte ich meine Gedanken äussern.

Dass der heimische Markt mit Textilien in Afrika (also Produktion) nicht in Schwung kommt, hat nichts mit unseren Containern zu tun, in die wir auch aus ökologischen Gründen unsere Altkleider entsorgen, sondern unter anderm damit, dass die Rohstoffe, die es zur Kleiderproduktion benötigt, also Baumwolle, Wolle, Leder usw., mit höhren Zöllen belegt sind, als billige Fertigware aus Asien. Die heimischen Produktionsfirmen können nicht konkurrenzfähig sein. Wenn es keine Produktion gibt, gibt es auch keine Arbeitsplätze und kein Geld, sich einheimische, teurere Kleidung zu kaufen.

Der Handel mit Alttextilien ist nicht das Problem, dass die einheimische Produktion nicht in Gang kommt, sondern die Folge. Die Secondhandware generiert eine Menge von Jobs, angefangen vom Händler, die die Containerladung kauft (und Steuern von etwa 15 Prozent dafür bezahlt), seinen Angestellten, die sie sortieren, die Näherinnen, die die Kleidungsstücke in Stand stellen, über die Händlerin, die nur Oberteile oder Unterwäsche kauft und wiederverkauft, einer anderen, die sich auf Kinderkleider spezialisiert, bis zu dem Mann, der im Schuhhandel tätig ist. Hunderttausende leben vom Handel mit Alttextilien. Secondhandware aus Europa ist zudem oft von besserer Qualität (Schuhe vor allem), als die Neuware aus Asien und zudem immer noch billiger. Nur diese Kleidung könnten sich viele leisten.

Dass Afrika wirtschaflicht nicht vorwärts kommt, hat nichts mit Secondhandkleidern zu tun, sondern damit, dass die ehemaligen Kolonialherren ihre angeblich befreiten Untertanen noch immer wacker ausnehmen. Man spricht von Kapital- und Ressourcenflucht.

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Landgrabbing, sei es nun für Nahrungsmittelbeschaffung oder Ausbeutung von Bodenschätzen. Es schadet der Landbevölkerung, weil es ihr die Möglichkeit nimmt, sich selber zu versorgen, ökologische Landwirtschaft zu betreiben, unabhängig zu sein. Jahrhunderte alte Dörfer werden zerstört, Gesellschaftsgefüge auseinander gerissen, Familien entwurzelt. Am Geschäft auf den Monokulutren so gross wie der Kanton Thurgau verdienen in erster Linie internationalen Konzerne aus den Industriestaaten.

Auch zerstört europäische Überschussware den afrikanischen Markt (zum Beispiel Pouletflügel (die sind im reichen Europa nicht so beliebt, wir essen lieber Pouletbrüstchen), Milch und Tomaten aus den giftigen Treibhäusern von Spanien, um nur drei Beispiele zu nenne. Wie verwerflich ist es, Überschüsse, die man (teuer) entsorgen müsste, unter dem Deckmantel von Hilfeleistung zu verschenken/zu verkaufen und die Menschen damit vom europäischen Markt abhängig zu machen?

Jetzt die Alttextilien ins Korn zu nehmen, weil es angeblich der Entwicklung Afrikas schadet, ist das Gleiche, wie Plastiksäckli kostenpflichtig zu machen und Trinkhalme zu verbieten, um die Verschmutzung  der Ozeane zu stoppen: Man lenkt von den grossen Sündern/Problemen/Ungerechtigkeiten ab. Aber von den Mainstreammedien ist man sich ja nichts anderes gewohnt.

Weisst du um wieviel der Schiffsverkehr in den letzten Jahren zugenommen hat (die Konsumwut braucht ja Futter), und welche Dreckschleudern diese Containerschiffe sind, solange sie leben und erst recht nach ihrer Ausmusterung? Zudem Trinkhalme aus Papier verwenden und dann eine Kreuzfahrt machen?

Oder das Rettungsschiff der Medecins Sans Frontière aus dem Verkehr zu nehmen, weil sie angeblich ihre Abfälle ins Meer gekippt haben? Aber auch das ist eine andere Geschichte. Wo sind da die investigativen Journalisten? Auch das ist eine andere Geschichte.

Ich gehe mit der Aussage einig, dass zu Europas Überschüsse den Afrikanischen Markt kaputt machtn. Wenn die Altkleider ins Feld geführt werden, ist aber Fast Fashion das Übel, mit dem Ausbeutung von Mensch und Tier, Umweltverschmutzung usw. einhergehen, nur damit der Plunder noch billiger wird und noch mehr davon gekauft wird. Aber davon reden nur die alternativen Medien, denn es ist Konsum schädigend. Damit dies Produktion noch mehr angetrieben wird, ist es von Interesse, auch die Afrikaner (und andere Schwellenländer) dazuzubringen, in den Konsumkreislauf einzubinden, indem sie Neuware zu kaufen. Man nennt das dann „neue Märkte“ erschliessen. Noch perverser wird es, weil ja nur zu oft Neuware gleich auf dem Müll landet.

Aber allem zu Grunde liegt das marktwirtschaftliche Glaubensbekenntnis vom Wachstum.

Die Altkleidersammlung in Verruf zu bringen, hat aber vielleicht auch ganz niedere Gründe. Kann es sein, dass auch einfach unser Ego beleidigt ist, weil wir den armen Afrikaneren etwas schenken, sie dieses nicht einfach dankend annehmen, sondern eine Geschäftsidee daraus entwickeln, die sogar noch funktioniert? Wir sind ja nicht nur die Guten, sondern die mit dem Wissen.

Meine pessimistische Prognose ist, dass mit dem Geschäft bald Schluss ist. Der Handel mit Alttextilien ist in gewissen Ländern nämlich, vorerst auf dem Papier, illegal. Ich bin aber überzeugt, dass damit nicht der einheimischen Produkion auf die Beine geholfen wird, sondern einmal mehr, der Bevölkerung geschadet. Qui bono?

 

 

Herzbunt – zu wenig strategisch – Bingo?

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Heute ist das Finale des Herbsthandarbeitsbingos. Ich bin das wohl zu wenig strategisch angegangen, denn ich habe einfach keine volle Reihe hingekriegt. Egal. Am meisten freut mich, dass ich zwei schon lange überfällige Werke vollenden konnte.

Trotzdem verlinke ich hier zu Barbara nach Schweden. Vielleicht nächstes Jahr wieder?

Für meine Kartonherzen superbunt

suche ich

jetzt noch einen Platz zum Aufhängen.

No Bingo, unfortunately. I wasn’t determined enough. However, handcraft should be fun. And due to lack of free time I decided to do what I really wanted to do without strategy. I don’t mind at all. Maybe next year … 

Samstags farbenfroh – Adding Some Colour

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Farbenkaffee

Der November ist in unseren Breiten nicht als der farbenfrohste Monat bekannt. Mit ihm wird grau assoziiert, Hochnebel, schwarze Nächte und dunkle Zeiten. Ab und an beschleicht mich eine Ahnung, dass ich meine Einschätzung, die auf langjähriger Erfahrung beruht, in der Zukunft eventuell überdenken müsste. Es gibt keine wochenlangen Nebelperioden mehr im Thurtal, die Sonne scheint öfters, die Heizung läuft nicht alle Tage. Klimawandel?

Trotzdem, die Tage sind kurz, so dass ich am Morgen und Abend hinter der Windschutzscheibe klebe, damit ich allfällige Hundespaziergänger und Velofahrerinnen frühzeitig erkennen kann. Ehrlich, ohne Brille sehe ich mehr, weshalb ich mein Nasenvelo über die Stirne schiebe, wenn ich im Dunkeln unterwegs bin.

Ich bin froh um zwei Tage Pause. Das Leben ist so anstrengend, wenn der Tag kurz ist. Es dünkt mich, ich müsste alle Arbeit in weniger Zeit erledigen, weil unsere Kultur ja keine Winterruhe kennt. Zudem haben mich die Schniefnasen in der Schule in diesem Herbst schon zum zweiten Mal angesteckt. Liegt es daran, dass gebrauchte Taschentücher im Papierkorb hinter meinem Lehrerpult entsorgt werden? Waschen die Kinder ihre Hände zu wenig? Soll ich auf die Begrüssung per Händedruck verzichten?

Na ja, mal schauen, was Salzwassergurgeln, gemütlich Lesen, eine Verabredung zum Kaffeetrinken und ein seichtes, aber spannendes Buch bringen. Und ich bringe ein bisschen Farbe und Liebe in den heutigen grauen Tag.

Ich wünsch euch was!

Maybe climate change brings higher temperatures, more sunny days, less fog and dryness to my part of the world. Nontheless, I am exhausted from one week’s workload as the days are so short but the work is the same as during summer when there are more hours to do it. I’m always tired when the sun goes down and could immediately go to bed. It’s painful to have to work after 6 o’clock, like meetings. I don’t like to go out when it’s dark. 

Therefore the trimester between fall break and Christmas is the hardest. Furthermore, if the students are coughing and sneezing all the time and pass their bugs over to me. It has happened for the second time in five weeks. Hatschi! 

I try not to feel sorry for me. Thankfully, it’s the weekend. I can rest, read a novel I have read already three times (sometimes it is good if you know what to expect) and meet an old friend. I’m adding a bit of colour and love to the gray day

 

Verlinkt mit Samstagsplausch bei Andrea.

Cardboard Love – Freihandschneiden

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A big cardboard box arrived in school yesterday and invited me to play. I didn’t have much time as my Fridays in school are stuffed (No Black Friday Shopping for me). 

Die grosse Kartonschachtel lud zum Zerschneiden ein. Rechtsrum geht’s besser als linksrum.

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When I went home, my backpack was heavy loaded with love. 

Nach einem langen und strengen Schultag ging ich mit einem vollen Rucksack nach Hause.

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To be continued!

🙂

Fortsetzung folgt!

Azteken Symbole – Symbols

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Jeden Tag lerne ich etwas Neues. Mein Beruf ist sooooo inspirierend. Ich liebe es, mich in Themen zu vertiefen. Ich liebe es, mich mit meinen Kollegen auszutauschen. Ich musste selber recherchieren, nachdem ich im Kopierräumchen Kollege K. getroffen und gesehen hatte, was seine aktuelle Zeichenarbeit zum Thema Azteken ist. Richtig gepackt hat es mich. Google spickte bei Eingabe „Azteken Symbole“ die schönsten Darstellungen aus.

My colleague is doing paper art with his students besides teaching about the discovery of America and the horror that came with it. I was instantly attracted and wanted to try out myself. Google had great results when I looked for „aztec symbols“. 

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Ich habe abgezeichnet, nicht vergrössert kopiert, ausgemalt, ausgeschnitten und aufgeklebt. Noch ist dieser Vogel eine Papierarbeit, aber als Mola würde er sich auch gut machen. Aber vielleicht nehme ich auch ein anders Tier: Fisch, Frosch, Schildkröte, Schlange. Es gibt so viele schöne Möglichkeiten. Was würdest du wählen?

I’ve chosen this bird and draw it (didn’t make copies, no), filled with black between the lines and cut the pieces out. Red and black is always a stark contrast I can’t get enough of. If I find the time, I could do a Mola using this design. Or maybe a turtle or a snake or a frog or a fish or …. What would you chose?

🙂

Alltagsbanalitäten – Banalities of Daily Life

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Nüsse

Ein Herbstmorgen wie im Sommer, ausser dass die Sonne später aufgeht. Ich nütze meinen Schwung für alltägliche Banalitäten, die mich gerade ungeheuer zufrieden machen.

Zum Beispiel klemmt jetzt die Tür zum Stall nicht mehr, nachdem sie achteinhalb Jahre beim Schliessen und Öffnen über den Betonboden gekratzt ist. Es hat mich sieben Minuten Grosse-Unterlagsscheiben-suchen, und eine Minute Türe-aus-der-Angel-Heben und wieder Einsetzen gekostet.

Der Stall ist gewischt, ebenso das Tenn.

Darüberhinaus hat der kleine Wischbesen einen definitiven Platz an einem dicken Nagel, extra tief eingeschlagen, gefunden.

Ach ja, dazwischen immer wieder Nüsse auflesen. Die bereits gesammelten stelle ich jeden Morgen in die Sonne und nehme sie am Abend wieder an den Schärmen.

Schön, dass Ferien sind. So einiges, was liegen geblieben ist, kann erledigt werden.

Der Mann einer Freundin ist unverhofft verstorben. Das lässt mich Alltagsbanalitäten in anderem Licht erscheinen.

Finally, I find the time to do things I should have done a long time ago. Little chores that seem to be too banal to be done in busy times. But now is the time of all times: After more than eigth years I managed to lift a door that had been scratching the floor. It took less than 10 minutes but makes me happy as if someone had worked for me a whole day. 🙂 

I pick up nuts every time I walk by the tree, which is about 20 times a day. So many nuts! I dream about sitting on the kitchen table during dark winter evenings and cracking two or three while having a cup of tea. Candle light would be nice, too. 🙂 

Fall break is the time to get things done before winter. 

The husband of a friend died. This makes me think about banalities of the daily life differently.

Grüsse aus den Bergen – A Quick Hello

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Bevor wir im Berg verschwinden ….

… ein letzter Gruss.

Bald sind wir im Wallis. Jetzt nur noch auf den Eisenbahnwagen hoppsen und los gehts. Ich melde mich, wenn wir auf der anderen Seite ankommen.